Daniela Ewen - Autorin - Schreibservice "Wortspiel"

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Der wundersame Adventskalender


1. Türchen

Als der Radiowecker ansprang und Jonas aus dem Schlaf riss, fühlte sich der Junge wie gerädert. „Mann ey, ich bin doch gerade erst eingeschlafen“, motzte er halblaut vor sich hin, schaltete die Nachttischlampe an und gab dem Wecker eins aufs Dach. Dann gähnte er und streckte sich ausgiebig. Heute würde er wohl auf dem Schulweg an der SB-Tanke gegenüber vom letzten Taschengeld einen Energy-Drink kaufen müs-sen, um den Tag zu überleben.

 

Plötzlich kam ihm in den Sinn, welcher Tag heute war: der 1. Dezember! Zeit, die geheimnisvolle Schachtel zu öffnen! Mit einem Schlag war Jonas wach, sprang aus dem Bett, kniete sich auf den Flokati, der ihm als Vorleger diente und griff mit der rechten Hand unter den Bettkasten.  Als er die kleine, unscheinbare schwarze Schachtel in Händen hielt, platzierte er sie neugierig auf seinem Schreibtisch. Kurz lauschte er in die Stille, damit ihn auch ja seine Mutter nicht bei dem überraschen würde, was er gleich tat. Aber sicher war diese schon in der Küche und richtete das Frühstück. Sein Herz klopfte ein wenig lauter, als er schließlich den Deckel öffnete und hineinsah.

Im Inneren des Kartons erblickte Jonas eine ganze Anzahl kleiner Kästchen, die alle nummeriert waren. „Von eins bis vierundzwanzig, wie bei meinem Adventskalender, den ich als Kind hatte“, dachte er sich. Die kleinen Behältnisse waren in etwa so groß wie Streichholzschachteln. Als er die erste in die Hand nahm, stellte er fest, dass es sich wirklich um eine Streichholzschachtel handelte. Sie sah alt und abgegriffen aus. Die Pappe war weich und fleckig, als sei sie einmal feucht geworden und die grüne Tinte, mit der die Nummer eins darauf geschrieben worden war, war blass und zerlaufen. „Na, dann mal los“, machte er sich selber Mut und schob die Schachtel auf.

In ihr befand sich ein kleiner, vergilbter, handgeschriebener Zettel, den er neugierig auseinanderfaltete.
Die Knicke waren tief ins Papier gegraben, so als sei der Zettel schon oft in die Hand genommen und gefaltet worden. Mit dunkelgrüner, ebenfalls schon leicht verblasster Tinte stand dort geschrieben:

"Bring heute jemanden zum Lächeln"

„Was soll das denn bedeuten?“, grübelte Jonas. Dann erinnerte er sich an die Bedingung der alten Frau Engel: „Öffne jeden Tag eine Schachtel und tu, was zu tun ist!“ Als er den Zettel betrachtete, dachte er sich, dass es ja nicht besonders schwer sein konnte, jemanden zum Lächeln zu bringen. Das war doch eine Kleinigkeit, oder?